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Leseprobe Rubrik: Oberschwaben

Oberschwaben - ein Bilderbogen

Hügelige Landstriche, die Ried- und Moorlandschaften, früher das „schwarze Gold“ der Region, wechseln sich ab mit barocken Bauwerken, früheren Reichs- und Fürstenstädten.

Beginnen wir mal gar nicht touristisch, wie es sich für ein Ferienmagazin eigentlich gehören würde. Oberschwaben ist die Region in Deutschland, die wirtschaftlich wächst, die geringsten Arbeitslosenzahlen aufweist und internationalen Unternehmen ein ausgezeichneter Standort ist. Biberach ist der größte Forschungscampus des Unternehmens Boehringer Ingelheim und größter Produktionsstandort für biotechnisch hergestellte Pharmazeutika. In Ravensburg ist das Unternehmen Ravensburger AG, der weltbekannte Spiele- und Buchverlag, zu Hause. Dies sind nur zwei Beispiele von ganz vielen. „Schwaben sind bekannt für ihre florierende Wirtschaft. Wir sind Oberschwaben“. So lautet eine selbstbewusste Imagekampagne der IHK in Oberschwaben.
Zu diesem Selbstbewusstsein, zu dieser Modernität gehört auch, dass man, fährt man übers Land, Bilder sieht, die so ganz anders sind, die mit Unternehmen und Produktion nichts zu tun haben. Denn ihr Land, ihre Umwelt, ihre Kultur, ihre Traditionen stehen bei den Oberschwaben ganz oben. Tradition und Moderne. Hier passen sie einmal wirklich zusammen.

Hügelige Landstriche, die Ried- und Moorlandschaften, früher das „schwarze Gold“ der Region, wechseln sich ab mit barocken Bauwerken, früheren Reichs- und Fürstenstädten, die in so großer Zahl in keiner anderen Region Deutschlands zu finden sein dürften.
Oberschwaben ist sich treu geblieben. Hier sind die Innenstädte so liebenswert, weil sie seit Jahrhunderten so sind, wie sie heute noch aussehen und doch haben sie sich auch gewandelt. Gutes Leben ist hier zu Hause, in den Geschäften, den Straßencafes, den Wirtshäusern und den Restaurants. In Oberschwaben kommen sich traditionelle Küche und die Gourmetküche nicht in die Quere. Im Gegenteil, sie ergänzen sich vortrefflich.

Die barocke Pracht ist ein ganz eigenes Thema in Oberschwaben. Als Gegenentwurf zur Nüchternheit der Reformation setzte das erneute Erstarken des Katholizismus im 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts deutliche Zeichen, erneut die Pracht von Kirche und Adel zu demonstrieren. Bezahlt haben diese Pracht übrigens nicht die Priester und die Adligen, sondern die Oberschwaben selbst: durch ihre Abgaben (heute Steuern). Mit der Säkularisierung im 19. Jahrhundert wurden viele der Prachtbauten in weltliches Eigentum überführt.

Die Oberschwaben können mit ihren barocken Schätzen gut umgehen. Sie sind für sie nicht Demonstrationsobjekte einer „besseren“ Zeit, kein rückwärtsgewandtes Traditionsverständnis. In Oberschwaben trifft man eine ausgeprägte
Haltung: Wer seine Geschichte und Traditionen nicht kennt, hat auch keine Zukunft.

Erhalten geblieben ist uns auch die barocke Kochkunst. Beim Essen wie im Barock und einem guten Bier aus Oberschwaben stellen sich dann die positiven Seiten der eigenen Geschichte ein und reden über Dies und Das, macht dann erst richtig Laune.

Oberschwaben ist eine ausgeprägte Gesundheits- und Bäderregion. Ob Moorbäder, Thermalwasser oder Saunalandschaft – Oberschwaben wartet mit zahlreichen Wellness- und Kureinrichtungen auf. Entspannung für Körper, Geist und Seele. Zehn Orte bilden die Schwäbische Bäderstraße. Beste Betreuung, fachliche Kompetenz aber auch jede Menge Spaß sind in den oberschwäbischen Gesundheitsorten garantiert.

Die Landschaft von Oberschwaben ist vielfach ausführlich beschrieben. Touristisch gesehen denken manche, Oberschwaben sei das „Hinterland“ vom Bodensee. Das ist nun ganz falsch. Ist die Toskana denn das Hinterland der italienischen Mittelmeerküste zwischen Carrara und Grosseto? Eben – Oberschwaben hat seine ganz eigene Identität, seine eigenen touristischen Angebote und noch zusätzlich den Bodensee vor der Haustür. Besser geht’s gar nicht. Oberschwaben bietet vieles… Fahren Sie hin! Machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

Thomas Willauer

Leseprobe Rubrik: Genießerland Bad.-Württ.

Darbende Leibeigene und feiste Mönche

Essen und Trinken in Oberschwaben während der Barockzeit

Barock ist bekanntlich ein Endlos-Thema für Oberschwaben, endlos auch die Reihe der Bücher über Künstler und Sehenswürdigkeiten entlang der Oberschwäbischen Barockstraße. Taucht da nicht die Frage auf, wie eigentlich die
Leute damals gelebt und was sie gegessen und getrunken haben?

Die Landschaft zwischen Bodensee und Donau, Lech und Hegau stellte in der Barockzeit des 17. und 18. Jahrhunderts eine Besonderheit dar: Fast alle große Klöster hatten die Reichsfreiheit errungen, waren also autonom. Oberschwaben war gut zur Hälfte in geistlicher Hand. Die andere Hälfte teilten sich Schwäbisch Österreich (Habsburg), der Hochadel (z.B. Fürstenberg, Waldburg), die Reichsritterschaften und die vielen kleinen und größeren Reichsstädte (von Buchhorn [Friedrichshafen] bis Wangen). Ein Fleckerlteppich oder „des Reiches Pfaffenwinkel“ war das, wie man zu sagen pflegte.

Was das mit dem Essen und Trinken zu tun hat, werden Sie fragen? Nun, die Ess- und Trinkgewohnheiten der Gesellschaftsschichten jener Zeit sind auf kleinstem Raum wie in einem Schulbuch nachzulesen.
Da ist der darbende leibeigene Bauer, der weitgehend fleischlose Kost aß.  llenthalben gab es Mus (Brenntes Mus, Wassermus), Suppen, Gemüse (Kraut und Rüben zu Hauf, Linsen, Bohnen), Knöpflein (Semmel-, Mehlknöpflein), Schmalzgebäck wie verzogene Küchlein oder Nonnenfürz und zu jeder Tageszeit viel Brot und Milch. Lediglich an den Hochfesten, der Kirbe (Kirchweihfest), Sichelhenke (Erntedankfest) oder bei Familienfeiern und an Fasnacht schaufelte man reichlich Fleisch, meist Rind oder Geflügel, Schweinefleisch hauptsächlich als „grünes Fleisch“, was geräuchert bedeutet.
Der Bürger in der Stadt hatte es besser, er darbte nicht. Zwar waren Mus, Suppen, Gemüse und Knöpflein (kleine Knödel) tagtäglich präsent, doch am Sonntag gab es wenigstens Fleisch (z.B. gebratene Hühner mit Stachelbeeren, eingemachtes Kalbfleisch oder gefüllte Täublein).

Die Zubereitung der gebratenen Hühner mit Stachelbeeren möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Das Gericht ist einfach nachzukochen und schmeckt auch heute noch: Wenn die jungen Hühner rein geputzt, dressiert, in heißem Wasser etwas blanchiert und ein wenig gesalzen sind, steckt man sie an den Spieß, begießt sie fleißig mit zerlassener Butter, bratet sie schön gelb … Zur Soße dämpft man für zwei Hühner eine starke Hand voll Stachelbeeren, welche mehr reif als unreif sind, ein wenig in einem Stückchen Butter, röstet in einem anderen Geschirr einen halben Kochlöffel voll Semmelmehl in einem Stückchen Butter, streut es an die Beeren, gießt ½ Schoppen Wein und ebenso viel Wasser daran, tut so viel Zucker dazu, bis sie eine gehörige Süße hat, lässt es ein wenig kochen und richtet sie über die Hühner an. Dazu passt Kratzeda (Pfannkuchenbeilage) mit Mangoldgemüse prima.
Der Adel darbte nie. Er orientierte sich beim Essen an den Höfen in Paris, München und Wien. Da kamen Speisen auf den Tisch, von denen wir glauben, erst unsere globale Welt hätte dies möglich gemacht. Der Café und das „Tabaktrinken“ (Rauchen) kamen auf und bei Musik von Haydn und Mozart – beide waren in Oberschwaben sehr beliebt – schmeckten „lombardische Wachteln“ oder „mazedonischer Thunfisch“ besser. Allerdings hatten verarmte Adlige mit „Arme Ritter“ (ein einfaches fleischloses Gericht) auch kein Zuckerschlecken.
Wie sah es in den Reichsabteien wie Obermarchtal, Ochsenhausen, Ottobeuren oder Schussenried aus? „Fressen und Saufen ist eine Hauptbeschäftigung dieser Herren“, behauptete ein Engländer 1794 vom Kloster Weingarten. Abstinenztage hin oder Fastenzeit her, regelmäßig gab es Wildbret, Kapaune (kastrierte Hähne), auch ab und an Singvögel. Dabei wurde kräftig getrickst: So ließ der Klosterjäger der Abtei O. das eben erlegte Reh in den Klosterweiher gleiten und zog es wieder als Wassertier heraus.
Zu trinken gab es überall schwarzes Weißbier, meist hausgebraut, heute als dunkles Hefeweizen bekannt. In den Wirtschaften mussten die Leibeigenen sauren Wein vom Bodensee trinken; nur die „Großkopferten“ leisteten sich Burgunder oder Tokajer. Man musste sich ja abgrenzen! Most war weitgehend unbekannt. Aufgrund der so genannten Bevölkerungsexplosion im 19. Jahrhundert mussten viel mehr Menschen ernährt werden. Das führte zu einer Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Produktion: Die Kartoffel fand auch in Oberschwaben Einzug und das Weißbier wich langsam dem Most. Vielleicht fragen Sie sich, woher ich das alles weiß? In unseren Archiven finden sich Essensordnungen (z.B. Spitalordnungen oder Speiseordnungen für das Gesinde), Reisekostenabrechnungen, Reiseberichte und Biografien. Mit Hilfe von zeitgenössischen Kochbüchern der Region war es dann nicht schwer, das Essen und Trinken der Barockzeit zu rekonstruieren, wer was wann wo getrunken und gegessen hat.

Der Autor ist der Leiter des Stadtarchivs Bad Waldsee
Mehr zum Thema kann man im reich bebilderten Buch von Michael Barczyk „Essen und Trinken im Barock – Oberschwäbische Leibspeisen“ nachlesen. Erschienen im Silberburg Verlag, ISBN 978-3-87407-846-7.

Leseprobe Rubrik: Kultur

1.000 Jahre lebendige Geschichte

Museum Humpis-Quartier Ravensburg

Der Name „Humpis“ hat in Ravensburg seit Jahrhunderten einen guten Klang. Sei es als Erinnerung an das Mittelalter, in dem die Patrizierfamilie Humpis die Stadt und die „Ravensburger Handelsgesellschaft“ regierte oder in jüngerer Zeit als Garant für gutbürgerliches Essen in der „Humpisstube“.

Die Bedeutung der Kulturdenkmale gab den Anstoß zum Museumsprojekt Humpis-Quartier und auch das Bedürfnis in Ravensburg einen Ort zu haben, an dem authentisch Stadtgeschichte gezeigt werden kann. Insgesamt besteht das „Humpis-Quartier“ aus sieben Gebäuden, die um einen Innenhof gruppiert sind. Das Herzstück bildet das Gebäude Marktstraße 45 mit seinem Schmuckerker und dem Wappen der Familie Humpis, den drei springenden Hunden. Man könnte auch von „bissigen Hunden“ reden, denn „Humpis“ leitet sich wohl von „Hundbiss“ ab.

Zur Erfolgsgeschichte aber wurde das „Museum Humpis-Quartier“ erst durch seine Konzeption: Wichtigstes Ausstellungsstück sind die Gebäude selbst, mit ihrer originalen Aura, die sorgfältig konserviert wurde. Zentrum und gleichzeitig Piazza ist der überdachte Innenhof.
So stellt das Quartier eine begehbare Lebenswelt von 900 Jahren dar. Sie erlaubt es, eine Zeitreise ins Mittelalter durch sieben Gebäude anzutreten, um nach fast 60 Räumen, Dachböden und Kellern in der Gegenwart anzukommen. Diese Zeitreise ist in die so genannten „Ravensburger Lebenswelten“ gegliedert. Dabei kommen vier ehemalige Bewohner zu Wort, die dem Quartier seine besondere Prägung verliehen haben. In kleinen Hörspielen führen sie in ihre Welt ein und sie schwätzen auch gut schwäbisch-alemannisch (aber für alle verständlich!). Zur besseren Orientierung innerhalb der Epochen stehen an jeder Station die wichtigsten Informationen zur überregionalen Geschichte, Kunst und Kultur bereit. Außerdem kann der Besucher leicht zu bedienende Audioguides je nach Interesse einsetzen.

Die Zeitreise beginnt um 1100 mit dem Lederhandwerker
Er lebte zur Zeit der Welfen, die Ravensburg gegründet haben. Seine Werkstatt ist im stimmungsvollen Kellergewölbe zu sehen. Ausgegraben wurde sie jedoch im heutigen Innenhof des Quartiers. Die Lage des Gebäudes direkt am Markt, seine qualitätvolle Bauweise und die Fertigung hochwertiger Produkte aus feinem Schafsleder zeigen, dass dieser Lederhandwerker ein wichtiger und wohl auch reicher Mann im damaligen Ravensburg war.

Im Obergeschoss wartet der Fernhändler Hans Humpis
Hans Humpis ist seit 1473 als Hausherr nachgewiesen. Er ist zugleich der letzte Bewohner mit Namen Humpis im Quartier. In der „Guten Stube“ spielte sich das Familienleben der Humpis ab. Sie ist – unter vielen Umbauten – weitgehend original von 1435 erhalten geblieben. Ab 1479 war Hans Humpis mehrfach Bürgermeister der Reichsstadt Ravensburg und ab 1496 Regierer (= Geschäftsführer) der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Sie gehörte über annähernd 150 Jahre – von etwa 1380 bis zu ihrer Auflösung 1530 – zu den erfolgreichsten europäischen Großhandelsunternehmen. Ihre Tätigkeit erstreckte sich auf ganz Europa und den Mittelmeerraum. Sie handelte ursprünglich mit dem oberschwäbischen Leinen und Barchent. Der Reichtum kam seit der Mitte des 15. Jahrhunderts durch die Spezialisierung auf hochwertige Gebrauchs- und Luxusgüter vom Pfeffer bis zur Seide.

Das Dachgeschoss führt ins 18. Jahrhundert
Damals lebten mit den Gebrüdern Wucherer zur gleichen Zeit ein Rot- und ein Weißgerber im Humpis-Quartier. Weil Rotgerber viel weniger verdienten als Weißgerber, waren die Brüder zerstritten. Johannes, der Weißgerber und wohlhabende der Brüder, hatte zudem die besseren Arbeitsbedingungen. Er konnte seine gegerbten Felle zum Trocknen im Dachgeschoss seines Wohnhauses aufhängen, dagegen musste Melchior, der Rotgerber, seine Felle ins Nachbarhaus tragen, obwohl seine Gerbergruben im Innenhof des Quartiers lagen, wo auch eine ausgegraben wurde. Sie ist im Dachgeschoss ausgestellt.
Neben den Gebrüdern Wucherer präsentieren die „Ravensburger Lebenswelten“ des 18. Jahrhunderts eine Ravensburger Spezialität, die es sonst nur noch in Biberach, Augsburg und Dinkelsbühl gab: die Parität. Während im ganzen übrigen „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ die Konfessionen streng getrennt lebten, wobei der Landesherr die Religion bestimmte, war Ravensburg gemischt-konfessionell. Alle städtischen Ämter waren doppelt besetzt, je ein Bürgermeister, je ein Stadtammann und je sieben Ratsherren von jeder Konfession standen an der Spitze. Geheiratet wurde jedoch streng nach dem „richtigen Gesangbuch“. Über 30% der Bürger aber lebten in ärmlichsten Verhältnissen, so vor allem die katholischen Rebleute, Strumpfstricker und Weber. Prächtig hingegen zeigen sich die runden Zunftscheiben sowie die Prozessionsfahnen der katholischen Zünfte. Die sind so groß und schwer, dass sie heute nicht mehr eingesetzt werden, weil sie niemand mehr tragen kann.

Für das 19. Jahrhundert und die Zeit der Industrialisierung steht der Wirt Gottfried Rösch (1807–1864). Er gründete die legendären „Humpisstuben“. Vorerst können die Besucher lediglich die leeren Wirtsräume im ersten Geschoss der Marktstraße 47 besichtigen. Erst nach der Restaurierung der historischen Oberflächen wird die Ausstellung eingerichtet. Das Museum Humpis-Quartier versteht sich eben als „wachsendes Museum“, das immer wieder Anreize zum neuen Besuch schafft.

Weiter Informationen über Ausstellungen finden Sie unter www.museum-humpis-quartier.de oder im aktuellen Oberschwaben Magazin 2010/11.

Leseprobe Rubrik: Orte & Ausflugsziele

Moor und mehr: Barock in Oberschwaben

Moorheilbad und Kneippkurort Bad Waldsee

Von Putten und brenntem Mus – die Zeit des,Barock ist bis heute allgegenwärtig in der oberschwäbischenKurstadt Bad Waldsee. Dass diese Epoche weit mehr war als nur eine Stilrichtung in der Kunst weiß Michael Barczyk. Der Stadtarchivar erzählt gerne über eine Zeit, in der die Kunst üppig und farbenfroh daherkam. „Barockes Lebensgefühl spiegelt sich bis heute in zahlreichen Bauten. Damals manifestierte es sich aber auch in den Speisen – zumindest an Fest- und Feiertagen“, weiß der Historiker. Er studierte neben der Geschichte der Stadt auch die Speisezettel des Heilig-Geist-Spitals in der Ortsmitte und der umliegenden Klöster. Er schaute in die Kochtöpfe von Bauern, Mönchen und Adligen.

In einer Landschaft, die bis heute geziert ist von Zwiebeltürmen und Bildstöcken, von Weihern und Wäldern, wurden damals neben dem täglichen schwarzen und brennten Mus oder Suppen, Gerichte wie Buabaspitzla, Nonnenfürzla und Bauraseckla an den sogenannten „Hochfesten“ aufgetischt. Statt Most kam reichlich Bier auf den Tisch, sodass bis heute die Bierbrauer das Sagen haben. In den Restaurants der Stadt tischt man Genießern gerne barocke Gaumenfreuden auf. Dazu gibt’s dann auch einen guten Meersburger Tropfen.

Zwischen Stadt- und Schlosssee
Malerisch liegt es zwischen zwei Naturseen, direkt auf der Oberschwäbischen Barockstraße, das knapp 20.000 Einwohner zählende Städtchen Bad Waldsee. Auf dem Marktplatz thront schön und stattlich das Rathaus von 1426. Auf der Spitze reckt eine goldglänzende Justitia die Waage in die Höhe. Im Rahmen einer Stadtführung gelangen Interessierte auch ins Innere, in die Räume des Stadtoberhauptes. Ein eiserner Ring zeugt davon, dass einst die Angeklagten in Ketten vorgeführt wurden. Daneben ein Lavabo, ein zierliches Waschbecken, um sich die Hände in Unschuld zu waschen. Dahinter die Türe in den Ratssaal. Nebenan liegt das Spital zum Heiligen Geist und gegenüber das Kornhaus. Das Museum im Kornhaus, in dem früher das so wertvolle Hauptnahrungsmittel gelagert wurde, veranschaulicht eindrucksvoll die Geschichte der Stadt. Dazu Ausstellungen von lokalen Künstlern.

Schon aus der Ferne sichtbar sind die beiden über Eck stehenden Türme der Stiftskirche St. Peter, das Wahrzeichen der Stadt. Sie strecken sich noch keine 250 Jahre gen Himmel. Damals hatte man begonnen, die gotische Kirche zu vergrößern. Dabei erhielt sie ihr jetziges barockes Aussehen. Unbedingt ansehen sollte man sich im Inneren den barocken Hochaltar von Dominikus Zimmermann. Erst viele Jahre später erbaute er die berühmte Wieskirche.
Trotz Bühnen für Künstler und Kulturhighlights im „Haus am Stadtsee“ geht es hier beschaulich zu. Gassen und stille Ecken mit Traditionsgasthäusern locken zum Flanieren und Bummeln. Vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit ist es jedes Jahr zur Fasnetzeit: Zur „fünften Jahreszeit“ zeigt die Stadt nicht nur ein besonderes Gesicht, sondern gleich fünf: „Schrättele“, „Federle“, „Narro“, „Faselhannes“ und „Schorrenweible“ i ihren originären, aus Holz geschnitzten Masken begegnen den Gästen bei der Waldseer Fasnet auf Schritt und Tritt. Vom „Schrättelestanz“ bis zum Fasnetsvergraben dauert die wildeste Zeit in Bad Waldsee. Seit dem 15. Jahrhundert gehört zu der schwäbisch alemannisch geprägten Stadt das närrische Treiben. Die Hexe „Schrättele“ beispielsweise leitet ihren Namen vom „Schratt“ ab – einem Dämon und Plagegeist. „Mi hot heut Nacht s‘Schrättele druckt“ heißt es bis heute nach schlaflosen Stunden.

Gesund und vital
Auch sportlich Ambitionierte kommen auf ihre Kosten: Golfen auf 45 Löchern, Radeln, Reiten, Segelfliegen, Tennis spielen oder Langlaufen im Winter – Bad Waldsee wird allen Ansprüchen gerecht. Ausgearbeitete Touren für Radler, Wanderer und Walker führen ins herrliche Umland mit seinen barocken Kirchen und Bildstöcken. Beschauliche Radwege zwischen sanften Hügeln trainieren Arme und Beine ohne Höchstleistungen zu fordern. Der „Stadtsee Aktiv-Weg“ macht aus dem 1,6 Kilometer langen Spaziergang um den Stadtsee ein unterhaltsames Erlebnis für die ganze Familie. Sieben Stationen, angeregt von der Lehre Sebastian Kneipps, laden dazu ein, Körper, Geist und Seele in Schwung zu bringen.
Trotz dem Wunsch Urlaub zu machen, suchen die Gäste auch die medizinische Kompetenz, um dem einen oder anderen Zipperlein zu Leibe zu rücken. Der mit dem Prädikat „Premium Class“ ausgestattete Kurort hält ein großes Angebot an Kneipp- und Mooranwendungen bereit: vom Naturmoorbad mit heimischem Torf bis zu Aquajogging und Aquabiking. Auf die kneippsche Philosophie mit Wasseranwendungen – dem wohl bekanntesten Teil der Gesundheitslehre – und auf die Ernährungs- und Bewegungstherapie trifft man im neuen Gesundheitspark auf Schritt und Tritt. Acht Hotels, Pensionen und die Waldsee-Therme haben sich jüngst zusammengeschlossen und bieten ein gemeinsames Programm mit Qi Gong, Yoga, Kochkursen, Nordic-Walking-Touren und Meditation an.

Die heißeste Quelle Oberschwabens
Unterwasserradeln, Entspannen und dem Alltag entfliehen – die Waldsee-Therme bietet ein kompetentes, sporttherapeutisches und wohltuendes Badevergnügen aus der heißesten Quelle Oberschwabens. Mit knapp 65 Grad Celsius sprudelt das fluorid- und schwefelhaltige Thermalwasser aus einer Tiefe von 1.750 Metern aus der Erde. In den Becken der modernen, 720 Quadratmeter großen Badelandschaft ist das Wasser dann zwischen 28 und 37 °C warm. Therapieplätze für Aquagymnastik und Aquabiking sowie Ruheräume, Aromadampfgrotte und Wassererlebnisse laden ein zum gesunden Erleben. Im Außenbecken können Schwimmer ihre Bahnen ziehen.
So erleben Kurgäste eine gesunde Harmonie von Körper, Geist und Seele. Pensionen, Hotels, Gasthöfe und Ferienwohnungen laden zum komfortablen Wellnessurlaub ein. Beihilfefähige Kliniken für stationäre Vorsorge- und Rehabilitationskuren, für Anschlussheilbehandlungen und für private Gesundheitswochen sind spezialisiert auf Rheumatologie, Orthopädie, Gynäkologie und Innere Medizin. Hier wird klassische Medizin mit anerkannten Naturheilverfahren sinnvoll kombiniert. Unter fachärztlicher Behandlung folgt nach der Diagnostik die individuelle, maßgeschneiderte Therapie – inklusive Gesundheitstraining als ganzheitliches Konzept.

Zwischen Fairways und Moorgebieten
Während in der Stadtmitte das Wasserschloss von Johannes Fürst zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee thront, lädt außerhalb der Stadt sein moderner Golf- und Vitalpark zum Spiel mit dem weißen Ball. Wunderschön in die Natur integriert bietet er auch Einsteigern die Möglichkeit zum Spiel. Sehr viel stiller ist ein Besuch des Steinacher Rieds. Alleine oder auf geführten Wanderungen sind zwischen Torfstichseen seltene Pflanzen und Tiere zu entdecken. Hier wurde bis vor wenigen Jahren der Torf abgebaut, der in den Kurbetrieben Heilung in Moorbädern und mit Moorpackungen verspricht. Heute wird der Badetorf dem benachbarten Reicher Moos entnommen.

Weitere Informationen über Höhepunkte in Bad Waldsee finden Sie unter www.bad-waldsee.de oder im aktuellen Oberschwaben Magazin 2010/11.

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