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Leseprobe Oberschwaben Magazin / Rubrik: News

4.000 Jahre Pfahlbauten

Für 2016 steht ein kulturelles Großereignis an, das man sich schon jetzt vormerken sollte: Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg „4.000 Jahre Pfahlbauten“.

Sonst sind spektakuläre historische Großausstellungen vom Kaliber „Die Kelten“ oder „Eiszeit – Kunst und Kultur“ eher in Stuttgart oder in Karlsruhe anzutreffen. 2016 rückt Oberschwaben in den Fokus der Geschichts- und Archäologie-Fans. Im Kloster Schussenried, das alleine für sich schon einen Besuch wert ist, werden die Pfahlbauten der Steinzeit gezeigt; das einzigartige Federseemuseum in Bad Buchau widmet sich ganz den Pfahlbauten der Bronzezeit.

Aktueller Anlass für die Ausstellungen ist die Ernennung von 111 Siedlungsplätzen – stellvertretend für die rund 900 bekannten Pfahlbaustationen rund um die Alpen – als UNESCO Welterbe. Wegen ihrer Einzigartigkeit und ihrer besonderen Bedeutung für die frühe Geschichte der Menschheit wurden die Pfahlbauten zum universellen Erbe der Menschheit erklärt – und sind damit in guter Gesellschaft etwa mit dem Kölner Dom oder der Wartburg, die ebenfalls auf der insgesamt 39 Positionen langen Liste des deutschen Welterbes vermerkt sind. Neben sensationellen Ausgrabungsergebnissen und Funden aus Oberschwaben und vom Bodensee, werden auch hochkarätige Exponate namhafter Sammlungen aus Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Slowenien vertreten sein. Viele dieser Objekte werden überhaupt zum ersten Mal ausgestellt oder sind erstmals in Deutschland zu sehen.

Was macht die Pfahlbauten so einzigartig?
Auf den ersten Blick sind die Pfahlbau-Welterbestätten – allein 15 Siedlungen in Baden-Württemberg – wenig spektakulär, denn sie liegen heute „unsichtbar“ im Wasser des Bodensees oder im Moor des Federsees verborgen. Ein Besuch dieser Stätten vor Ort fällt daher in der Regel eher ernüchternd aus. Was macht die Fundstellen aber trotzdem so besonders? Bei Ausgrabungen vorgeschichtlicher Siedlungen finden sich in der Regel nur noch Steinwerkzeuge, Knochen und Keramikgefäße; alles andere ist durch Lagerung im Boden vergangen. Ganz anders hingegen bei den Pfahlbauten: Unter Wasser und im Moor sind die Erhaltungsbedingungen unter Sauerstoffabschluss derart gut, dass selbst vergängliche Dinge über die Jahrtausende nahezu unverändert konserviert werden, das reicht von Kleidungsstücken aus Rindenbast, Kämmen für die Frisur, Rindengefäßen, Kochlöffeln, hölzernen Wagenrädern über Körbe und Siebe bis hin zu so skurrilen Dingen wie Kaugummis aus Birkenpech. Verkohlte Getreidevorräte oder auch „Steinzeit-Häufchen“ – Exkremente der Pfahlbaubewohner geben Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten der Menschen. Diese Quellen ermöglichen so eine detaillierte Rekonstruktion der Vergangenheit und machen die frühe Geschichte lebendig. Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergeben jahrgenaue Datierungen und Einblicke in frühe Formen der Landwirtschaft und Haustierhaltung. Sie zeigen aber auch erste folgenschwere Eingriffe in den Haushalt der Natur. Die einzigartigen Funde geben Zeugnis von einer Welt, die vor tausenden von Jahren versunken ist – eine Welt, die fern und fremd erscheint, aber heute noch in vielem nachwirkt. Denn viele Erfindungen und Innovationen dieser Zeit, wie etwa die Erfindung des Pfluges, von Rad und Wagen und die Entstehung der Kupfer-, Bronze- und Eisenmetallurgie veränderten auf lange Sicht die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse und revolutionierten die Geräte- und Waffentechnologie.

Steinzeit im Kloster
Im Kloster Bad Schussenried werden allgemeine Fragen und besonders die steinzeitliche Epoche der Pfahlbauten (6.000–2.200 v. Chr.) behandelt. Wie lebte man in den Pfahlbauten und welche Vorteile brachte diese Siedlungsweise? Warum erfasste dieses Phänomen alle Gebiete rund um die Alpen vor 6.000 Jahren? Allein vom Bodensee sind über 100 solcher Pfahlbaudörfer bekannt, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Für Archäologen in aller Welt steht (Bad) Schussenried übrigens für die „Schussenrieder Kultur“, eine jungsteinzeitliche Kulturgruppe, die für ihre schön verzierten Henkelkrüge bekannt ist.

[...] Lesen Sie mehr über die neue Landesausstellung im neuen Oberschwaben Magazin 2016/2017.

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